Line- Up Room Installation 

Line-Up 2013 - 

Christian Niwa findet andere Perspektiven des Sehens in unserer urbanen Umwelt: Architekturen mit der Sicht auf ein uns scheinbar bekanntes architektonisches Repertoire visuell wahrnehmbarer Erscheinungsformen von Objekten, in Bezug auf Materialität, statischen Formen, grauen Wänden, geraden Linien und rechte Winkel. Es handelt sich dabei um Bilder von Objekten, die sich neuen Raum erschließen und scheinbar, durch nahtlose Übergänge, in der Präsenz von Industrieanlagen, Silos, oder unter Brücken und im Inneren von Funktionsgebäuden in einem anderen Licht-, Farb- und Formspiel wieder spiegeln.

Niwa ändert die Perspektive zu Gunsten der Erweiterung des Blickes, indem er sein Fokus auf das Objekt lenkt und den Betrachter zu diesem hin und gleichzeitig davon wegführt. Er versetzt den Betrachter seiner Bildern in ein anderes Verhältnis von Raum und Erscheinungsbild des zu betrachtenden Objektes. Das Objekt seines Sujets wirkt auf den ersten Blick wie eine fremd erscheinende Gestalt aus Licht und Schatten, Linien und Winkel. Es wird scheinbar in eine Art Verzerrung des Sichtbaren transformiert. Eine architektonische Gestalt, die im Begriff ist in den Raum vor zu dringen, um die eigene Transformation in Bewegung zu setzen. 

Der Horizont im Bild gibt eine Bewegung des Objektes im Raum vor. Niwa gibt dem Betrachter in gewisser Art und Weise eine Linie und Blickrichtung vor, welche den Gesamteindruck des Betrachters beeinflussen. Die daraus entsprungenen Linien erweitern denHorizont im Blickfeld und dehnen den Raum mit samt dem Objekt unendlich aus. Sie beleben den für sie eigens geschaffenen Raum und erscheinen gleichzeitig so, als würden sie das Objekt in seiner Beschaffenheit förmlich zur Auflösung in seine materiellen Bestandteile vorantreiben. Sie bilden einen Raum, in dem sich eine neue und in sich geschlossene Welt erschließt. 

Durch digitale Manipulation lichten sich verborgene Texturen, Farben, Muster und Formen, neue Sichtweisen und Perspektiven. Etwas wird sichtbar und gleichzeitig durch das gewohnte Sehen von Bildern für den Betrachter unklar. Es entzieht sich einer "perzeptionellen" Dechiffrierung und hinterlässt ein nicht bestimmbares Gefühl, welches Christian Niwa stetig in der Stadt und im Umland auf der Suche nach einem neuen Objekt begleitet. Dieses Gefühl begleitet ihn, solange, bis er unverhofft das Objekt entdeckt und vor dem fotografischen Auge eingefangen hat. Die vorhandenen Objekte und deren Beziehung zueinander, weisen schon zuvor auf einen Erkennungsmoment hin, der sich zunächst nur zaghaft erahnen lässt.

    
    
    

Einmal gesehen, zweimal gesehen oder erst nach dem dritten Mal näher untersucht, begibt sich Niwa auf die Pirsch nach dem Objekt und Materialien, nach Strukturen, wie welche aus Beton, Glas und Eisen oder Linien an Fassaden, die sich bereits vor seinem geistigen Auge unendlich ausdehnen lassen und die wie dünne Antennen, schlauchartige Kamine, oder schlanke Säulen als Fäden einer unbekannten Konstruktion durch die Welt vernetzen. 

Bei der Wahl des Objektes und durch die digitale Veränderung des vermeintlichen Abbildes im Bild selbst, setzt Christian Niwa seinen ganz eigenen Fokus und seine künstlerische Sichtweise in Szene. Der Betrachter wird förmlich in einen neu definierten Raum von Wirklichkeit und Perzeption gebracht. Der Künstler verleiht diesem Moment eine ganz besondere Aura, indem gleichzeitig das Objekt im Dialog mit der Betrachtung von Wirklichkeit transformiert wird. 

In der Erweiterung eines Horizontes, eines Objektes im Bild, scheint es um Bewegung und eine Art Befreiung des gesehenen Objektes zu gehen. Es findet scheinbar eine Metamorphose statt, damit eine Freistellung gegebener oder verpasster Sachverhalte in der Architektur visuell zum Ausdruck kommen kann. So rückt Niwa das Alltägliche und Gewohnte in einen visuellen Vordergrund und erinnert noch einmal an das Moment der Vollendung durch den Erbauer, an ein längst vergangenes Moment aus der Geschichte. Gleichwohl, eröffnet er ein mögliches visuelles Spektrum der Betrachtung dessen, wie das Objekt sich im Auge des Betrachters verändern kann, sich förmlich auflöst und irgendwo hin verschwindet ohne dabei seine Aura zu verlieren; oder sogar, im Sinne einer anderen Perspektive und Betrachtungsweise, aus dem Nirgendwo entsprungen zu sein scheint. 
 

In diesem zentralen Moment der Bilderfassung tritt der digitale Bearbeitungsprozess in den Vordergrund, und lässt den Betrachter eine unfassbare Kraft spüren. Eine Kraft, die Zeichen einer anderen Bildsprache verwendet und die, wie ein fremdes Alphabet dem gewohnten Blick auf das Objekt zu trotzen beiwohnt, eine mögliche Illusion einer Verschmelzung von Objekt mit dem Raum zulässt.Mit der Erweiterung der Textur, beginnt Christian Niwa ́s Forschungsarbeit am gefundenen Objekt, welche ihn zu einer Struktur analytischen Vorgehensweise führt und originäre Farben finden lässt. Diese eröffnet ihm einen weiteren Weg seines kreativen Schaffensprozess. Der Blick auf die Dinge von Welt wird erweitert und eine ganz eigene Farben- und Formensprache kreiert. Im fotografischen Werk Christian Niwa wird das gefundene Objekt durch ein unbekanntes Licht freigelegt und in eine neue Wirklichkeit als signifikantes Erscheinungsbild im Auge des Betrachters transformiert.  
Autor.: M.A. Kunst & Design Barbara Benfrádj